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Was ist Parkinson?

Die Parkinson-Erkrankung ist eine häufige Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem in höherem Lebensalter auftritt, seltener aber auch Menschen vor dem 40. Lebensjahr betreffen kann. Man schätzt, dass etwa 1% aller Menschen über 65 Jahren an der Parkinson'schen Erkrankung leiden. Sie wurde erstmals 1817 von James Parkinson beschrieben. Die Krankheit umfasst 3 Hauptsymptome, die vor allem die Beweglichkeit betreffen:
Am häufigsten kommt es zur "Bewegungsverarmung" bzw. Unbeweglichkeit (Akinese), die sich aus Bewegungsverlangsamung, Beschränkung des Bewegungsumfanges und Verringerung von Spontanbewegungen zusammensetzt. Weiterhin leiden viele Patienten unter einer Muskelsteifigkeit (Rigor), die schnelle Bewegungen verhindert. Ein weiteres Hauptsymptom ist das Zittern in Ruhe (Tremor), das der Erkrankung auch die deutsche Bezeichnung "Schüttellähmung" eingebracht hat. Heute wissen wir, dass neben diesen motorischen Symptomen auch andere nicht-motorische Symptome auftreten und diese teilweise schon vor den motorischen Symptomen auftreten können.

Hauptsymptome der Bewegungsstörung (Motorik):
  • Unbeweglichkeit/Bewegungsverarmung – Akinese
  • Muskelsteifigkeit – Rigor
  • Zittern (Ruhezittern) – Tremor


Können bei der Parkinson-Erkrankung verschiedene Symptome auftreten?

Am häufigsten beginnen die motorischen Störungen der Parkinson-Erkrankung mit einem einseitigen Ruhezittern und einer verminderten Beweglichkeit einer Hand. Da die Hauptsymptome in beliebiger Kombination auf eine Extremität beschränkt oder auch beidseitig auftreten können, kommen insbesondere im Frühstadium unterschiedliche Symptomkombinationen und -ausprägungen vor. Es gibt Patienten, bei denen nur eine Hand zittert; andere dagegen sind insgesamt bewegungsverarmt, ohne jedoch zu zittern. Etwa die Hälfte der Patienten klagt schon sehr früh über diffuse (Muskel-)Schmerzen, bedingt durch die Muskelanspannung. Andere leiden vermehrt unter Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen.



Was sind die frühesten Anzeichen?

In den letzten Jahren hat man erkannt, dass bereits Jahre vor Beginn einer Bewegungseinschränkung oder eines Zitterns sogenannte "nicht-motorische" Symptome der Parkinson-Erkrankung auftreten können. Diese können aus folgenden Anzeichen bestehen:
  • Riechstörungen: Bei Parkinson-Patienten kann der Geruchssinn sehr früh beeinträchtigt sein, manchen Patienten fällt dies auf, andere erkennen das erst, wenn man sie mittels eines Tests darauf hinweist. Besonders betroffen ist das Erkennen von Gewürzen, z.B. Oregano auf der Pizza oder Kaffee.

  • Verdauungsstörungen: Oft kann es zu veränderter Stuhlentleerung kommen, vor allem Verstopfung oder auch verlängerter Magenentleerung. Dies bemerken die Patienten häufig daran, dass der Stuhlgang unregelmäßiger ist und sie manchmal tagelang gar keinen Stuhlgang haben.

  • Schlafstörungen: Eine Veränderung des Schlafes kann ebenfalls ein Frühzeichen von Parkinson sein, insbesondere wenn das Träumen sich verändert. Typischerweise treten bei fast der Hälfte der Parkinson-Patienten sogenannte Traumschlafstörungen auf. Dies bedeutet, dass verbunden mit Alpträumen der Patient im Schlaf manche Nacht laut ruft, oder spricht oder lacht, ohne dass er davon selbst etwas bemerkt. Dies ist meist verbunden mit kleinen abrupten Bewegungen der Hände oder Füße, die aber auch heftiger sein und sogar zu Verletzungen des Patienten oder seines Bettpartners führen können. Auch diese Veränderung kann bereits Jahre vor Beginn der Parkinson-Erkrankung auftreten. Viele Menschen wissen oft nicht, an wen sie sich dabei wenden sollen. Hier ist besonders der Neurologe und/oder Schlafmediziner gefragt.

  • Psychische Veränderungen: Bei manchen Patienten geht der Parkinson-Erkrankung eine Veränderung der Psyche voraus, meistens eine depressive Verstimmung. Dies kann bedeuten, dass sich der Patient ohne äußeren Anlass von sozialen Aktivitäten zurückzieht, seine Freunde nicht mehr gerne trifft und weniger aktiv am Familienleben teilnimmt. Dies kann zu niedergeschlagener Stimmung führen, aber auch zu einer allgemeinen Veränderung der Emotionen des Patienten. Oft bemerken die Angehörigen früher als der Patient selbst, dass eine relevante psychische Veränderung eingetreten ist.

  • Schmerzen: Einerseits durch die Muskelsteifigkeit, aber auch oft schon früher treten Schmerzen im Muskel und Skelettsystem auf, die nicht mit bestehenden Krankheiten wie Bandscheibenvorfällen oder Gelenksarthrosen zu erklären sind. Dies ist oft besonders unspezifisch und schwierig zu erkennen und kann meist erst einer Parkinson-Erkrankung zugeordnet werden, wenn es dann durch die richtige Behandlung zu einer Schmerzlinderung kommt.


Welche Ursache liegt dem Parkinson-Syndrom zugrunde?

Der Grund für die Entstehung der motorischen Symptome ist ein ausgeprägter Untergang von speziellen Nervenzellen im Mittelhirn (genauer gesagt in der sog. Substantia nigra). Diese produzieren den Nervenbotenstoff Dopamin. Warum diese Nervenzellen untergehen, ist noch nicht ausreichend verstanden. Möglicherweise spielt die Verklumpung (sog. Aggregation) von bestimmten Eiweißmolekülen (dem sog. alpha-Synuclein) hierbei eine wichtige Rolle. Die Parkinson-Erkrankung ist damit derzeit ursächlich noch nicht heilbar, da die Zellen nicht wiederhergestellt werden können. Transplantationsversuche dopaminproduzierender Zellen als sog. Zellersatztherapie sind derzeit noch als experimentelle Therapie anzusehen. Weitere Studien jedoch, die mit Wachstumsfaktoren zur Nervenzellverbesserung oder gar -wiederherstellung arbeiten, sind bereits in der klinischen Prüfung.

Die gegenwärtig zugelassenen Therapiearten jedoch haben das Ziel, den Mangel des Botenstoffs Dopamin auszugleichen oder alternativ andere Botenstoffe zu hemmen, um wieder ein Gleichgewicht der Überträgersubstanzen herzustellen.

Inzwischen wissen wir, dass nicht nur der Mangel an Dopamin, sondern das Ungleichgewicht vieler Nervenüberträgersysteme und der Abbau von Nervenzellen eine große Rolle spielen. Deshalb sind leider auch nicht alle Beschwerden mit dem Ersatz von Dopamin zu verbessern.




Wie ist der Verlauf der Erkrankung?

Seit der Einführung der modernen medikamentösen Therapievielfalt in den letzten Jahrzehnten unterscheidet sich die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten nicht mehr wesentlich von der der Normalbevölkerung. Die Medikamente bewirken, dass die Symptome lange Zeit – bei einem Teil der Patienten mit einem späten Erkrankungsbeginn auch lebenslang – gering bleiben. Weil sich der Zerfallsprozess dopaminproduzierender Nervenzellen nicht aufhalten lässt, ist aber eine dauernde Behandlung mit in der Regel ansteigenden Medikamentendosen erforderlich. Dabei kann es während der Behandlung zu einer Änderung der Symptome kommen, die durch individuelle Anpassung der Medikamente behandelt werden müssen. Durch eine jeweils angepasste Therapie erfahren die Patienten über lange Jahre, viele auf Dauer, eine erhebliche Besserung der Lebensqualität. Seltenere Sonderformen der Parkinson-Erkrankung sind schwieriger zu behandeln. Dazu gehören Erkrankungen wie die sog. Progressive Supranukleäre Blicklähmung (PSP) die Multisystematrophie (MSA) oder striatonigrale Degeneration oder die corticobasalganglionäre Degeneration (CBD), die weniger gut auf die Medikamente ansprechen.



Wie wird die Parkinson-Erkrankung behandelt?

Manche leicht betroffene Patienten im Frühstadium sind durch die geringen Symptome subjektiv nicht beeinträchtigt und benötigen für die Verbesserung ihrer geringen Bewegungseinschränkungen keine Medikamente. Neuere Erkenntnisse weisen jedoch darauf hin, dass nachdem die Diagnose Parkinson erkannt ist, eine Behandlung möglichst frühzeitig beginnen sollte. Hierbei stehen verschiedene, im Dopaminsystem wirkende Substanzen zur Verfügung, die möglicherweise auch zu einer günstigeren Verlaufsform der Erkrankung führen können. Zumindest weiß man aber, dass Patienten, die frühzeitig behandelt werden, langfristig eine bessere Beweglichkeit aufweisen.

Die medikamentöse Behandlung wird abhängig vom Alter des Patienten, seinen Begleiterkrankungen und der Schwere der Krankheitssymptome sowie der individuellen Beeinträchtigung der Lebensqualität ausgesucht. Insbesondere berufstätige Patienten werden früher und intensiver behandelt. Ziel der Behandlung ist damit nicht zwangsläufig die Beseitigung aller Symptome, sondern die Herstellung einer subjektiv möglichst wenig beeinträchtigenden Gesamtsituation unter Berücksichtigung möglicher medikamentöser Nebenwirkungen.

Die Vielfalt der heute verfügbaren Medikamente eröffnet zahlreiche therapeutische Optionen, macht aber auch die Auswahl schwierig; die Entscheidung für ein Medikament muss neben der Wirkung und eventueller Nebenwirkungen auch Langzeitfolgen berücksichtigen. Daher sollte ein Therapiebeginn und die Umstellung während einer begonnenen Behandlung erstmals durch Fachärztinnen oder Fachärzte (Neurologen) durchgeführt werden, die Erfahrungen mit der Behandlung der Parkinson-Erkrankung haben.

Im Verlauf der Erkrankung ist in der Regel eine Behandlung mit sog. Dopaminagonisten (Medikamenten, die so ähnlich wirken wie Dopamin selbst) oder L-DOPA (der Vorstufe des Dopamins) erforderlich. Oft müssen verschiedene Medikamente kombiniert werden, um die optimale Einstellung der Symptome bei möglichst geringen Nebenwirkungen zu erreichen. Daneben gibt es auch Medikamente, die andere Überträgerstoffe beeinflussen und damit ebenfalls eine Symptomverbesserung erreichen können (z.B. Anticholinergika, Amantadin oder Budipin).

Heute existieren unterschiedliche Darreichungsformen für die verschiedenen Medikamentengruppen. Die meisten Wirkstoffe sind als Tablette verfügbar, manche auch als sog. retardierte Form (bei welcher der Wirkstoff besonders langsam abgegeben wird). Andere Wirkstoffe können über ein Pflaster abgegeben werden oder werden als Subkutan-Injektion verabreicht, d.h. unter die Haut gespritzt.

In späteren Erkrankungsstadien nach vielen Jahren der Erkrankung kann es notwendig werden, die Symptome durch die Implantation eines sog. Tiefenhirnstimulators zu behandeln. Diese Methode wurde bereits vor vielen Jahrzehnten entwickelt und gehört mittlerweile zum Therapiestandard. Andere Patienten profitieren von Medikamentenpumpen, die den Wirkstoff entweder direkt unter die Haut (Apomorphin) oder direkt in den Dünndarm (Duodopa) verabreichen und können damit eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit und des Wohlbefindens erreichen.



Wie hilft das Parkinson-Zentrum?

Das Parkinson-Zentrum Göttingen-Kassel bietet Patienten und behandelnden Fachärzten die Möglichkeit an, eine frühe Diagnose zu Parkinson-Syndromen zu stellen oder eine Zweitmeinung in Fragen der Diagnostik und Therapie der Parkinson-Erkrankung und anderer Parkinson-Syndrome einzuholen. In einzelnen Fällen betreuen die Kolleginnen und Kollegen des Parkinson-Zentrums Patienten auch langfristig, meist jedoch gemeinsam mit einem/r niedergelassenen Facharzt/Fachärztin.

In folgenden Fällen/Fragen empfehlen wir eine Vorstellung im Parkinson-Zentrum:
  • Ich habe Symptome bemerkt, die möglicherweise einer Parkinson-Erkrankung entsprechen und war schon bei einem Facharzt. Nun möchte ich aber eine zweite Meinung einholen, bevor ich Medikamente einnehme.

  • Mein behandelnder Arzt ist nicht sicher, ob bei mir eine Parkinson-Erkrankung vorliegt oder vielleicht doch eine andere Erkrankung.

  • Zwei oder mehr meiner Verwandten ersten Grades sind an Parkinson erkrankt. Wie hoch ist das Risiko, dass ich auch erkranke?

  • Mir wurde ein Parkinson-Medikament verschrieben. Damit sind meine Symptome aber nicht ausreichend behandelt.

  • Die Parkinson-Medikamente verursachen starke Nebenwirkungen.

  • Die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium gestaltet sich zunehmend schwieriger. Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es nun?

  • Meine Fachärztin hat mich auf die Therapie mit einem Tiefenhirnstimulator/einer Duodopa-Pumpe angesprochen – ich möchte mehr über diese Therapie erfahren.

  • Ich habe gehört, dass das Parkinson-Zentrum auch Patienten im Rahmen von klinischen Studien betreut und bin interessiert, an einer Studie teilzunehmen.
Wichtig: Das Parkinson-Zentrum kann und möchte nicht die Funktion der/s niedergelassenen Fachärztin/Facharztes ersetzen. Die meisten Patienten werden uns daher nur wenige Male im Rahmen einer speziellen Fragestellung konsultieren. Sollte sich die Therapie schwierig gestalten, bieten wir selbstverständlich an, Patienten auch langfristig gemeinsam mit dem/der niedergelassenen Kollegen/Kollegin zu betreuen.

Bitte bringen Sie zu jeder Vorstellung einen Überweisungsschein Ihres/Ihrer behandelnden Facharztes/Fachärztin mit. Einen Termin können Sie über unser Patienten-Telefon
0551-39 20 200 vereinbaren.



Links
http://www.parkinson-vereinigung.de
http://www.parkinson-selbsthilfe.de


Literatur
Die folgenden Informationsbroschüren stehen Ihnen als PDF-Format zum Download zur Verfügung: